Wer ein Game für ein Hotel entwickelt, könnte mit einer Liste von Rätseln beginnen. Wir würden früher anfangen. Beim Ort. Denn Hospitality Experiences besitzen etwas, das viele andere Games nicht haben: eine reale Umgebung mit eigener Funktion, Architektur, Bewegung und Atmosphäre. Gutes Experience Design nutzt diese Realität, statt sie zu ignorieren.
Räume steuern Verhalten
Eine Lobby funktioniert anders als ein Hotelzimmer. Ein Restaurant erzeugt andere Interaktionen als ein Korridor. Ein Konferenzbereich hat andere Möglichkeiten als eine Bar. Deshalb beeinflusst der Raum die Mechanik.
Soll sich eine Gruppe bewegen? Gemeinsam an einem Tisch bleiben? Unterschiedliche Orte entdecken? Mit physischen Gegenständen arbeiten? Ein Smartphone verwenden?
Diese Entscheidungen entstehen nicht unabhängig vom Ort.
Story schafft Bedeutung
Danach stellt sich die Frage, warum die Gäste überhaupt handeln. Ein Hinweis ist nur ein Gegenstand, bis er innerhalb einer Geschichte eine Funktion bekommt. Eine Tür ist nur eine Tür, bis die Spieler wissen wollen, was dahinter relevant sein könnte. Storytelling verbindet Raum und Handlung.
Mechanik bestimmt die Experience
Dann kommt die eigentliche Spielarchitektur.
Wie gelangen Spieler an Informationen?
Was müssen sie kombinieren?
Welche Entscheidungen treffen sie?
Spielen sie gemeinsam oder gegeneinander?
Wie viel Unterstützung brauchen sie?
Wie wird verhindert, dass die Experience den Hotelbetrieb stört?
Gerade der letzte Punkt ist bei Hospitality entscheidend. Ein gutes Game muss nicht nur für Spieler funktionieren.
Es muss in einer realen Organisation funktionieren.
Genau deshalb beginnt eine individuelle Game Solution nicht bei einer fertigen Mechanik, sondern bei Ort, Zielgruppe und gewünschter Experience.
Digital ist eine Option, kein Standard
„Mord im Hotel“ für das Hotel Banana City ist app-basiert. ROOM67 ist analog. Beide Beispiele zeigen denselben Grundsatz:
Das Medium folgt der Experience.
Die Frage lautet deshalb nicht:
„Braucht unser Hotel eine App?“
Sondern: „Welche Experience soll hier entstehen – und welches Design macht sie möglich?“
